[21.05.2010]
Lesen Sie heute über:

  • Reisen, Bildung und Perspektiven
  • Junge Leute und Hoffnungen
  • Einen Blick nach Syrien und zurück

Liebe Leserinnen und Leser,

zurück aus einem Urlaub, stelle ich wieder fest, dass jede Reise Eindrücke hinterlässt, welche die Sicht auf die Dinge verändern. Wer wirklich an Ländern, Leuten und Verhältnissen über das Übliche hinaus interessiert ist, für den entwickelt sich geradezu eine zwingende Logik, die Realitäten in größeren Zusammenhängen zu betrachten, zu vergleichen und Schlussfolgerungen zu ziehen. In wichtigen Bereichen wie Umwelt, Wirtschaft und Finanzen haben sich die Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen Global- und Kommunalpolitik so weit entwickelt, dass so ziemlich alles aus den aktuellen politischen Gruselkabinetten vorhersehbar war.

„Reisen bildet“, sagt uns eine alte Volksweisheit und macht deutlich, dass dieses Thema nicht nur eine Geldfrage ist. Früher gingen die Gesellen auf die Walz, ohne einen Pfennig in der Tasche, kamen reich an Erfahrungen zurück und meisterten ihr weiteres Leben.
„Reisen muss man, oder man kommt hinter nichts“, meinte Voltaire und
Alexander von Humboldt brachte es auf den Punkt:
„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“
Was soll man also jungen Leuten in solchen Zusammenhängen und unter den aktuellen Bedingungen empfehlen?
Innerhalb meiner letzten Beiträge hatte ich drei junge Weißenfelser vorgestellt, die Hoffnung machen: Daniel Busse, Ingo Pietruschka und Patrick Hypscher. Sie kennen sich persönlich nicht und sind lediglich durch den Umstand verbunden, dass sie mehr oder weniger zufällig an diese Zeitung geraten sind. Ich möchte ihre Entwicklung weiter im Auge behalten und damit versuchen, an positive Beispiele anzuknüpfen:

Eine Investorengruppe um Udo Scheidt aus Saarbrücken hatte ab 2003 im Rahmen des Gesamtprojektes „Alte Sparkasse“ ein Kompetenzzentrum mit Schülern des Goethegymnasiums gegründet und diese in hervorragender Weise in die Planung und Umsetzung innerstädtischer Sanierung einbezogen. Ich kann mich als damaliger Stadtrat noch sehr gut an die hohe Qualität der Vorträge aus dieser Gruppe erinnern. In diesem Zusammenhang entstand 2004 unter der Federführung von Patrick Hypscher eine Umfrage unter Schülern der 13. Klassenstufe des Goethegymnasiums.
Die Ergebnisse zum Thema Freizeitgestaltung, Berufsplanung, Zukunft in Weißenfels und Bereitschaft zum Engagement sind hochinteressant und fordern geradezu einen aktuellen Zuschnitt und eine Neuauflage. Klicken Sie bitte hier.

Ein geeigneter Übergang zu Ingo Pietruschka: Das in seinem Studium anstehende Praktikum soll nach seinen Vorstellungen mit Bürgern für Weißenfels realisiert werden. Die Diskussionen um ein konkretes Thema sind noch nicht abgeschlossen – aber eines ist sicher:
Der Geographiestudent interessiert sich für Stadtentwicklung in Weißenfels. Eine gute Verbindung zu einem Themenfeld, das in den nächsten Jahren in allen Regionen durch härteste Sparmaßnahmen die Zukunft der heutigen Jungend maßgeblich beeinflussen wird.

Es kann nicht besser passen, wenn beim Schreiben dieser Zeilen eine Pressemitteilung des Zentralverbandes der Deutschen Haus- Wohnungs- und Grundeigentümer e.V. zum Thema „Stadtumbau Ost neu ausrichten“ bei mir eingeht. Klicken sie bitte hier.

Hier stellt sich nun besonders für Weißenfels die entscheidende Frage, wer in dieser Stadt noch in vorhandene Bausubstanz investieren soll. Und das möglichst außerhalb eines auf übermäßiges Fressen orientierten Netzwerkes und außerhalb öffentlicher Verschwendung. Wer zeigt Initiative und finanzielle Kraft, um im Sinne leistbarer und nachhaltiger Entwicklungen als Privatinvestor ausgerechnet in Weißenfels aktiv zu werden?
In einer gewissen Analogie kann man Antworten dort finden, wo ausgelöst durch die weltweite Finanzkrise sich einige Riesenprojekte als Größenwahn entpuppten. In Palmcity und der umliegenden Golfregion beispielsweise. Riesige Finanzströme wurden und werden seit dem umgelenkt und suchen solidere und verlässlichere Anlagestrategien weltweit. Deutschland ist in solchen Zusammenhängen ein begehrtes Ziel und es ist gut beraten, wer hier Partner und Vermittler findet, die deutsche und nahöstliche Mentalitäten kennen und in beiden Richtungen denken und handeln können. Globalisierung pur als frischer Wind in unser vermieftes Saaletal? Wer könnte in Weißenfels eine nachhaltige Geruchsverbesserung mitgestalten?

Nach meinen Recherchen sind das Investoren um Ghassan Kafa.

Der 44-Jährige stammt aus Syrien, studierte ab 1982 in Jena in der Fachrichtung Feinmechanik und lebt mit deutscher Staatsbürgerschaft seit 1995 in Weißenfels.
Er begann hier als Autohändler und gründete im August 2008 die Firma
SRK Invest GmbH & Co. KG und in Folge die SRK- Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH.
Etwa 25 Immobilienobjekte sind gegenwärtig in Besitz und Verwaltung dieses Firmenverbundes. Sie erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet und betreffen zum großen Teil Objekte, an die sich bisher wegen mangelnder Finanzdecke kein hiesiger Investor heranwagte. Das Herlenken weiterer Finanzströme ist momentan das vornehmliche Ziel Kafas. Logisch, dass Geldgeber durch Ihre Anwesenheit und Tätigkeit vor Ort Einfluss auf Planung und Umsetzung der verschiedenen Vorhaben nehmen wollen. Und das in Einheit mit bereits geschaffenen Arbeitsplätzen für Ortansässige, deren Anzahl künftig steigen soll.

Er hat bereits Ordner gefüllt mit diversen Zuarbeiten und Referenzen, um entsprechende Genehmigungen für seine Teilhaber zu erhalten. Mit deutscher Gründlichkeit wurde und wird geprüft und für gut befunden. „Die bisherige Investitionstätigkeit der Firma vor allem in Weißenfels ist überzeugend“, schreibt der Geschäftsstellenleiter Weißenfels der IHK an die Ausländerbehörde des Burgenlandkreises.
„Die Stadt Weißenfels begrüßt dies wohlwollend und wird die Gesellschaft bei ihrem Vorhaben unterstützen“, bestätigt der Oberbürgermeister an die Deutsche Botschaft in Damaskus. Die Ausländerbehörde des Burgenlandkreises zieht mit. Die ersten Genehmigungen sind realisiert und weitere sollen folgen.
Eine Baugenehmigung für die Sanierung eines Objektes in der Nordstraße zu einem Hotel- und Apartmenthaus, mit einem voraussichtlichen Investitionsvolumen von
1.875.600,00 Euro, liegt vor. Planungen für weitere Investitionen auch und besonders in der Innenstadt von Weißenfels sind in Arbeit. Eine Erfolgsgeschichte.
Vorläufiges Fazit:
Es gibt Hoffnung für Weißenfels und es gibt Bürger dieser Stadt, die sie verkörpern.
Man muss über den Tellerrand der örtlichen Provinzküche hinausschauen, um sie zu erkennen. Man darf nicht den Mut verlieren. Auch dann nicht, wenn Unfähigkeit und Ignoranz aus den Kommunen bis in die Spitzen der großen Politik reichen. Man muss vor Ort mit nachhaltigen Veränderungen beginnen.
Trotz missratener Kneipenmeile, trotz eines Stadtmarketingvereines, der nach guter Schwangerschaft leider eine Missgeburt wurde, trotz der Pleitekette „Mäc Geiz“, trotz Abbau bei Pelipal, trotz verlorener Arbeitsplätze, trotz irrwitziger Vorhaben wie die Anschaffung einer Kunsteisbahn aus öffentlichen Geldern, erst für das E-Werk und nun für die Stadthalle, trotz wahnwitziger Mehrheitsbeschlüsse im Stadtrat, die nun mit Zeit- und Substanzverlust korrigiert werden mussten, um an Geld zur Entschuldung eines maroden Haushaltes zu kommen und trotz der Tatsache, dass im Zusammenhang mit den aktuellen Straßenbaumaßnahmen in der Altstadt schon wieder diverse Fragen auftauchen:
Es kann und muss Neues entstehen. Allerdings auf solider Grundlage, in guter Qualität und nach positiven Kosten-Nutzen-Bilanzen, wie sie in der Privatwirtschaft zwingend notwendig sind. Mit jungen und fähigen Akteuren, von denen es immer weniger gibt und die deshalb gesucht, gefunden, gehegt, gepflegt und gefördert werden müssen.

Hartwig Arps


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