[30.07.2010]
Reaktionen auf Nadelöhre.

Ich weiß aus diversen Erfahrungen, wer zu meinen „lieben Leserinnen und Lesern“ zählt und auch, dass besonders diejenigen dabei sind, für oder gegen die ich meine Beiträge schreibe. Ich weiß auch, dass nicht gerne offen Bezug genommen wird, auf das was hier so zu lesen ist. Zu sehr schreibe ich gegen den allgemeinen Mainstream. Für oder gegen diesen sich zu bekennen erfordert etwas Mut und wer hat den heute schon noch. Peinliche Offenbarungen werden nur dann riskiert, wenn man glaubt, mir das Wort verbieten zu müssen. Diese Befindlichkeitsstruktur ist für mich der besondere Reiz an der Sache und Ansporn zugleich. Die seltsamen Reaktionen auf meinen Beitrag „Nadelöhre“ haben mich zu diesem kleinen Vorwort animiert. Also:

Am 26. schreibe ich diesen Artikel und sende ihn extra per Mail an OB Risch und Staatssekretär Erben.

Am 28. schreibt die MZ auf S.22: „Weißenfels prüft Sicherheitskonzept“
Dort heißt es u.a.: „Robby Risch, OB von Weißenfels, sagte der MZ, das Sicherheitskonzept… werde nach der Tragödie von Duisburg…noch einmal überprüft.“
Es wird auf Ortbesichtigung unmittelbar vor der Veranstaltung mit dem Innenstaatssekretär verwiesen. Wurde hier bewusst mein Artikel verschwiegen, weil man ansonsten auf meine konkreten Fragen hätte eingehen müssen? Oder ist dieser Artikel der MZ gar nicht bekannt? Das wäre allerdings wieder mal ein Zufall.

Analog die MZ von heute: „Wird Pfennigbrücke zu Nadelöhr?“
Nun wird u.a. Rainer Pfannenschmidt erwähnt, der in einer Mitteilung an den OB und die Presse die Frage nach dem möglichen Nadelöhr Pfennigbrücke stellt. Seine Auffassung, dass auch eine außerordentliche Sitzung des Stadtrates zu diesem Thema stattfinden sollte, wird nicht erwähnt. „Ein solches Familienfest zu dem bis zu 250.000 Besucher erwartet werden, ist mit einer Loveparade nicht vergleichbar.“ So der stellv. Sprecher der Landesregierung, der auch gleich auf ein handfestes Sicherheitskonzept verweist, das in Weißenfels mit Stadt, Polizei, Feuerwehr, DRK und THW erarbeitet und dessen Szenarium mehrfach durchgespielt worden sei. „Es wird ein sehr sicheres Fest“ versprach auch Risch…“

DIE WELT schreibt am 26. über das Drama von Duisburg:
&Stadt, Polizei und Veranstalter behaupten die Planungen seien ausgereift gewesen.“

Die gleiche Zeitung am 29. im Leitartikel:
&Aus der Katastrophe muss man also lernen, der Macht der umhergeisternden Maßlosigkeit besser zu widerstehen. Das wird sich mancher Fachmann jetzt im Angesicht der Toten schwören: Nicht mehr den wortgewandten Schönsprechern nachgeben!“

Ich will von Weißenfels bis Magdeburg keinem etwas unterstellen. Alle wollen unbestreitbar das Beste und höchstwahrscheinlich wird alles gut gehen. Dass ich dann als Buhmann dastehen werde, nehme ich in Kauf. Fragen müssen erlaubt sein. Ich habe drei gestellt. Konkrete Antworten konnte ich noch nicht vernehmen. Der Umgang mit dieser Thematik gibt mir nach wie vor zu denken und der MZ-Artikel von heute räumt da leider nichts aus-im Gegenteil.

H. Arps


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