[01.08.2010]
Bilder aus dem Festgebiet – jenseits der Flyermotive

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon ein paar Jahre her, aber es hat sich eingeprägt. Ich war nicht weit weg von der Einschlagstelle. Ein schwerer Brocken stürzte aus einem Hausgiebel auf die Kleine Kalandstraße. Dass er keinen Passanten traf, war reine Glücksache. Es waren Gott sei Dank nur wenige unterwegs. Es hätte Tote geben können.
Diese Erinnerung war der Antrieb für meinen Streifzug mit der Kamera, gestern, am 31.07.10 – 20 Tage von dem großen Spektakel SAT. Ich ging entlang einiger der Straßen, über die erwartungsgemäß an diesen Tagen tausende Gäste gehen werden: Große Kalandstraße, Saalstraße bis Ecke Jüdenstraße, Kreisel am Niemöllerplatz, Friedrichstraße, Kreisel am Schwedenstein und ein Stück Marien- und Klosterstraße. Aufgehört habe ich dann nur, weil die Batterien meiner Kamera leer waren.

56 Bilder von 24 Objekten sind es geworden. Gesamtansichten und Details von Häusern, die in erschreckender Weise Gefahrenstellen und Missstände aufzeigen, die wegen Gewöhnung schon viele nicht mehr wahrnehmen. Gäste zum SAT werden das mit anderen Augen sehen und hoffentlich nicht zu spüren bekommen:
Mauerwerk, Putz, Dächer, Altantennen, Dachziegel, Dachrinnen, Simse, Giebel, Gauben, Fester, Fensterscheiben, Splitter, Platten: Morsch und marode, verfallen und baufällig. Man muss annehmen, dass teilweise schon leichte Winde ausreichen, um Teile zum Absturz zu bringen. Eben leider auch an Tagen mit höherer „Trefferwahrscheinlichkeit“, als damals in der Kalandstraße.

Ein Schutzzaun war zu sehen. Aber auch nur vor einer Seite des seit Jahren rundum gefährlichen Eckgrundstückes Saalstraße 21/Jüdenstraße. Die andere Seite ist genauso marode, ebenso wie die diversen anderen Beispiele. Bei der Frage nach Verantwortlichkeiten kenne ich das ewige Gelaber: Weil es Privatgrundstücke sind, könne man leider nichts machen. Erstens hat das noch nie gestimmt und zweitens ist spätestens jetzt nicht mehr zu akzeptieren, dass man sich als Stadt für ein Landesfest bewirbt und dann bis dato nicht in der Lage ist, derartige Mängel zu beseitigen, obwohl viel Zeit zur Verfügung stand.

Ich weiß, wovon ich schreibe. Seit Jahren kritisiere ich derartige Zustände, mache Vorschläge und stelle Forderungen für einen vernünftigen Stadtumbau. Als Stadtrat mit meinen Mitstreitern genauso, wie in dieser Zeitung. Auch und besonders orientiert am besseren Beispiel anderer Städte. Zu wenig hat sich da in Weißenfels geändert.

Noch etwas ist mir aufgefallen: Die Anbringung der Werbetransparente an der alten Sparkasse oder am Kreisel Schwedenstein / Ecke Naumburger Straße an verkommenen Fassaden oder in der Nähe von Bauruinen zeigen eine armselige Ästhetik. Die bessere Fassade ist schon besetzt. Dort ist genauso unästhetisch neben aufgemalten Baudenkmalen Firmenwerbung zu sehen. Da hebt sich der Getränke- Werbeschirm unmittelbar neben dem Gustav- Adolf - Gedenkstein in seiner Wirkung noch als das kleinere Übel ab. Insgesamt allerdings schändliche Eindrücke an einem Verkehrskreisel, an dem so etwas schon wegen gefährlicher Ablenkung der Verkehrsteilnehmer verboten werden müsste.

Überall Kacke am dampfen und ich bin gespannt, wie die Verantwortlichen außer dem Prinzip Hoffnung diesen Zuständen etwas entgegensetzen können und werden.
Ein Notprogramm ist nach meiner Auffassung unverzüglich umzusetzen. Unter Einsatz aller denkbaren und für manche auch undenkbaren Kapazitäten. Auch und besonders mit Noteingriffen in Privatgrundstücke hinsichtlich der Beseitigung gravierender Sicherheitsmängel.

Alles in allem: Eine Blamage für diese Stadt und in der Gesamtheit betrachtet Zeichen städtebaulicher Fehlentwicklungen seit nun über zwanzig Jahren. Eine Blamage für eine Stadt, in der einige Pappenheimer über eine Sondersitzung des Stadtrates zum Thema Ehrung von Bürgern nachdenken, weil eine schon stattgefundene Sitzung zu diesem Thema wegen inflationärer Entwicklungen in diesem Bereich in die Hose ging, anstatt angesichts der Ereignisse in Duisburg eine Sondersitzung zum Thema Sicherheit zum SAT einzuberufen.

Ansonsten kommt bisher offiziell rüber, dass am Ende alles gut wird, wenn eine Mutter ihr Kind im Festgetümmel verloren hat und dass z. B. schnell Hilfe da sein wird, wenn während des Festumzuges ein Pferd ausbricht und jemanden verletzt. Das wird vermutlich auch so sein, wenn ein herabstürzendes Bauteil Personenschäden anrichten sollte. Wie man allerdings verhindern will, dass so etwa gar nicht erst passiert, kann ich an den dargestellten Beispielen jedenfalls leider nicht erkennen.

Ich denke, dass für einige Strategen die Sache schon jetzt klar ist:
Da ist wieder einer von den wenigen Schwarzmalern am Werk, der den vielen Sicherheitsexperten und diesem wunderbaren Fest zur Freude eines feiereifrigen Landes in die Suppe spucken will. Wen interessiert schon, dass dieses Land in vielen wichtigen Statistiken hintere Plätze belegt und dass man schon wegen solcher Grundlagen und bei derartigen Sachverhalten lieber mehrfach nachfragen sollte. Mich schon- und gleich ganz und gar, wenn Weißenfelser Pappenheimer und Schildbürger mitspielen. Aber da bin ich schon beim Thema Escher, auf dessen Beitrag in der Mediathek des MDR ich zunächst nur hinweisen will. Doch nun sehen Sie sich bitte die nachfolgenden Bilder an.

Zur Bildergalerie

H. Arps


Wenn Sie diesen Artikel auf Facebook teilen möchten,
klicken Sie bitte hier: