[27.02.2012]
Über Umfragen und: "Gibt es künftig mehr protestantischen Geist und weniger katholisches Gemauschel?"

Liebe Leserinnen und Leser,
dem MDR ist es ergangen, wie kurz zuvor mir. Stichwort: Umfragen. Ich befragte meine Leser zum Thema Risch, der MDR seine zum Thema Gauck. Also - und so schnell kann es gehen: Umfragestart - Manipulationsverdacht - Abschalten. Inzwischen weiß ich, "wie leicht es ist, mit einem Proxy-Server bei Umfragen mehrfach seine Stimme abzugeben" und kann in einschlägigen Internetportalen und- Foren nachlesen, was die Experten auch sonst noch so können. Alles nicht so schlimm und wirklich überraschend auch nicht. Man ist ja schließlich nicht Emnid, die in einer Umfrage ganz aktuell festgestellt haben, dass inzwischen 62 % der Deutschen weitere Griechenland- Hilfen ablehnen.

OB Risch beantwortet die gestellten Fragen ohnehin mit seinen Taten und den Rest besorgen glossenähnliche Lageberichte über den Hirsch Robby aus dem Heimatnaturgarten. Der soll übrigens dabei beobachtet worden sein, wie er, offenbar auf Nahrungssuche, über das Gelände des Güterbahnhofes streifte und dann bei Tönnies über den Zaun sprang.

Nicht so lustig geht es beim MDR zu. Der muss sich von sozialistischen Tageszeitungen Böses vorwerfen lassen. Das "Neue Deutschland" schreibt am 23.02.2012:
"In MDR-Kreisen wird daher vermutet, dass möglicherweise das eindeutige Votum gegen Gauck den Ausschlag für die Entscheidung zum Absetzen der Umfrage gab."

MDR.DE am 24.02.2012: "In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat die Nominierung Gaucks parteiübergreifende Freude ausgelöst...Und die Linkspartei warnt: Gauck habe sich für Hartz 4, Kriegseinsätze und gegen die Occupy- Bewegung eingesetzt."

Da haben wir sie wieder: Gewisse "MDR-Kreise" das ND und andere - und nun kommt der ehemalige "Stasijäger" Gauck. Man kann sie ja verstehen. Die alten Kader hätten ihn gerne draußen, aus dem Amt- und vermutlich besser drinnen, im Knast.
Gott sei Dank ist das geklärt.

Und noch ein Gott sei Dank: Wulff ist nun endlich weg, aber das "Wulffen" als offenbartes Merkmal einer stark verbreiteten Schnäppchenjägermentalität wird leider noch bleiben. Auch die "Wulffmutter". Nur wenige Stunden vor ihrer Demütigung schrie sie in einer vermeintlich vertrauten Runde: "Eines ist klar: Der Gauck wird`s nicht."

Rößler hat mit seinem Streich die FDP vermutlich vor dem endgültigen Aus gerettet - aber auch den erbärmlichen Zustand einer Regierungskoalition mit einer Kanzlerin verdeutlicht, die nun Europa retten soll.
Aber wir haben nun Gauck. Er wird ein Präsident der klaren Worte. Worte, die nicht allen passen aber offen und ehrlich sein werden. Dass er das kann, hat er vielfach bewiesen. Er ist lernfähig, kann nicht nur mit Kritik umgehen, er fordert sie ausdrücklich heraus. Er kann es schaffen, verkommene Moralgrundsätze zu erneuern und einen offenen Dialog über die wirklichen Probleme dieser Welt in Gang zu setzen. Er hat die Chance, statt "Teilen und Herrschen" wirklichen Gemeinsinn zu befördern und statt "alternativlos" zu handeln, reale Alternativen bewusst zu machen.
Ein WELT- Autor hat im Feuilleton am 21.02. bezüglich einer Pastorentochter im Kanzleramt und einem ehemaligen Pastor im Präsidialamt kluge Fragen gestellt:
"Werden wir in Deutschland künftig mehr protestantischen Geist und weniger katholisches Gemauschel haben, mehr Fleiß und weniger Faulheit, mehr Sparsamkeit und weniger Verschwendung, mehr inneres Strahlen und weniger äußeren Schein? Beide Politiker, vor allem aber Joachim Gauck, haben es in der Hand, ihr kulturelles Gepäck zum Wohle der gesamten Republik einzusetzen."
Da kann ich mich nur anschließen. In diesem Sinne demnächst mehr.
Hartwig Arps


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