Residenzstadt Weißenfels – grüne Stadt an der Saale

Ein Beitrag zur Leitbild – Diskussion
von Dr. Otto Klein

Seit Jahren wird über ein Leitbild der Stadt Weißenfels diskutiert, ohne bisher ein solches zu erstellen. Sicher ist das nicht einfach, aber für eine zielgerichtete Entwicklung der Stadt wäre es auf jeden Fall wichtig. Unter der Amtsführung unseres neuen Oberbürgermeisters sollten wir dieses Thema wieder aufgreifen. Er hatte mit seiner Bemerkung, dass ein Leitbild mehr einschließen muss als nur „Barock“, sicher Recht. Ein Leitbild für die städtische Entwicklung schließt mehr ein. Bestandteil muss auch sicher ein bestimmter Slogan sein, der eine wesentliche Besonderheit der Stadt und ihrer Geschichte abbildet und für das Image der Stadt steht.
Viele Kommunen werben erfolgreich mit einem Slogan, wie Dom-Stadt Naumburg, Händelstadt Halle, Rolandstadt Calbe oder Hansestadt Tangermünde. Hohenmölsen möchte sich gern „Schwurhandstadt“ nennen, weil im 13. Jahrhundert vor den Toren der Kleinstadt Rudolph von Schwaben im Kampf um die deutsche Königskrone die Schwurhand abgeschlagen wurde.

Imageträchtige geschichtliche Gegebenheiten, bauliche Besonderheiten oder Leitfiguren hat auch Weißenfels genügend. Heinrich Schütz und Novalis gehören vorrangig dazu.
Ich plädiere jedoch für „Residenzstadt Weißenfels – grüne Stadt an der Saale“.
Unsere Stadt wurde Ende des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts von den Weißenfelser Herzögen baulich umfassend verändert und als glanzvolle Residenz aufgebaut.
Trotz großer Verluste durch Abriss und Verwahrlosung ist bis in unsere Zeit hinein aber noch manches vom Glanz der Residenzzeit, vor allem manifestiert in den überkommenen Bauwerken, erhalten geblieben, was landesweit einmalig ist.
Die nachfolgende kurze Zusammenstellung von Gebäuden aus der Herzogszeit macht dieses erst deutlich und verweist auf das einmalige Potenzial unserer historischen Innenstadt. Darunter sind auch Gebäude, die älter sind wie das Kloster, die Marienkirche und das Geleitshaus, aber auch diese Gebäude wurden in der Residenzzeit landesherrlichen Nutzungen zugeführt. Insofern kann man sie funktional mit unter die Residenzbauten rechnen.
Wenn man alle entsprechenden Bauwerke tourismusfreundlich mit Hinweisen versieht und damit wirbt, ließen sich mehr Kulturtouristen in unsere Stadt locken. Natürlich muss ihre Sanierung weiter vorangetrieben werden.
Die Saale mitten in der Stadt und das Grün, das Weißenfels umschließt, sind weitere wichtige Potenziale, die bisher nur ungenügend ausgeschöpft und werbewirksam vermarktet wurden.
Der ständige Verweis auf diese kommunalen Pfunde im Slogan könnte sicher imagefördernd wirken und unsere Stadt für Besucher interessanter und anziehender machen.

Residenz-Bauwerke in Weißenfels

1. Hof- und Regierungsbauwerke:

  • Residenzschloss Neu-Augustusburg mit Schlosskirche
  • Areal des Schlossgartens mit Umfassungsmauer und Teil der Orangerie
  • Marstall: Zeitzer Str. 21a
  • Prinzenballhaus: Leipziger Str. 13
  • Hoffischerei: Promenade 9
  • Fürstlicher Jägerhof, Nikolaistr. 51
  • St. Klarenklosters: Fürstengymnasium im linken Flügel und herzogl. Regierungskollegien im rechten Flügel
  • Marienkirche: Bis zur Einweihung der Schlosskapelle 1682 war sie Hofkirche
  • Terrassenmauern des nördlichen Schlosshanges
  • Außerdem existieren aus der Herzogszeit, wenn auch stark überbaut, das Fürstliche Brauhaus (Leipziger Str./Ecke Promenade) und die Hofkelterei (Gebäude zwischen Marstall und Eingang zum Schlossgarten)

2. Stadthäuser hoher adeliger Hofbediensteter:

  • Fürstenhaus: Leipziger Str. 9
  • Prinzessinnenpalais: Leipziger Str. 11
  • Hofmarschallhaus, Nikolaistr. 39
  • Klosterstr. 24: Stadthaus des Oberforstmeisters und anderer Hofbeamter
  • Jüdenstraße 31 und 45: 2 adelige Stadthöfe
  • Friedenstr. 1: u.a. Stadthof des Hofbeamten Vitztum von Eckstedt

3. Gebäude bürgerlicher Hofbediensteter:

  • Kavaliershäuser: Marienstr. 1/2 Fürstl.Regierungsbeamte Andreas Benjamin Prätorius und danach Friedrich Salomon Bretnütz
  • „Alt Weißenfels“, Gr. Burgstr. 19: Hofperückenmacher Adam Süßenbach
  • Markt 6: Hoffaktor Paul Benjamin Erfurth
  • Georgenberg 25: Stadthaus des Hofrates Johann Baptista Ritter, danach des Hofpredigers und Beichtvaters Dr. Johann Andreas Olearius, dann des Fürstl. Leibarztes Dr. Johann Georg Otto
  • Geleitshaus: von 1657 bis 1680 Logishaus des regierenden Herzogs August von Sachsen-Weißenfels, von 1680 bis 1746 Sitz der fürstlichen Oberhofprediger und Generalsuperintendenten
  • Johann Beer-Haus: Gr. Kalanstr.10. Fürstl. Konzertmeister, Sänger und Hofbibliothekar Johann Beer
  • Mohrenapotheke und Hirsch-Apotheke: Privilegierte Hofapotheken
  • Gasthof „Zum Halben Mond“: Markt 23. Fürstl. Amtsgeleitsmann Ernst Rausch, danach ein Fürstl. Kammerfaktor
  • Gasthof „Zum Goldenen Hirsch: Nikolaistr. 10. u.a. „Hof-Tracteur“
  • Schütz-Haus: Nikolaistr.13. u.a. Fürstl. Amtsgeleitsmann Erich Piper
  • Jüdenstraße 43: Hofbäckerei
  • Jüdenstr. 46: Hoffleischerei
  • Markwerbener Str. 21: Fürstl. Mühlenpächter Johann Gottfried Ratsmann
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