[31.03.2008]
An dieser Stelle einige Bemerkungen in eigener Sache:

Ich werde besonders in den letzten Monaten oft danach gefragt, warum ich das alles auf mich nehme, welche Motive mich zu diesem Handeln treiben. Das alles koste ja viel Zeit und Ärger. Die Antwort ist relativ einfach. Erstens ist es eine Charakterfrage und zweitens das Ergebnis von Prägungen, die man im Leben so erfährt oder nicht.
Ich jedenfalls kann gar nicht anders.

Mit 17 Jahren meldete ich mich freiwillig zur damaligen Volksmarine, in die ich dann nach intensiven Vorbereitungen innerhalb meiner Lehrzeit im Weißenfelser VEB Vorrichtungsbau, 18-jährig, im Jahre 1961 einzog. Der Grund war eine Besessenheit zur Seefahrt, die bis heute anhält. Nach härtestem Drill in der Flottenschule, nach harter körperlicher und fachlicher Ausbildung schlossen sich einige Jahre Fahrenszeit in der militärischen und christlichen Seefahrt an.

Diese Zeit war in wesentlichen Dingen prägend für mein gesamtes Leben. Mehr noch als heute war unter den damaligen Bedingungen ein Schiff eine völlig autarke Welt. Jedes Detail hatte seinen Sinn. Nichts war überflüssig. Um alle Elemente zu einem funktionierenden System zu gestalten, gab es ein Regelwerk, in welchem jeder und alles hinsichtlich aller möglichen Vorgänge und Ereignisse eingebunden war. Alles musste beherrscht werden, musste in höchster Effizienz funktionieren. Jeder musste sich auf den anderen verlassen können.

Fähigkeiten, Fertigkeiten, Ordnung, Systematik, Kameradschaft, Offenheit und Ehrlichkeit eines jeden Einzelnen waren Grundbedingungen für das Überleben der gesamten Einheit auch unter den härtesten Bedingungen. An der Spitze einer straffen Kommandostruktur stand ein Kommandant bzw. Kapitän, der in allen menschlichen und fachlichen Zusammenhängen überzeugend sein musste.
Spätestens hier wissen Sie worauf ich hinaus will. Wer so geprägt ist, hat absolut kein Verständnis für Ineffizienz, Mittelmaß, Ignoranz, Dummheit, Heuchelei oder parasitäres Verhalten.
Mit dieser Lebensschule als Grundlage bewältigte ich dann drei komplette Hochschulstudiengänge.
(Dipl.-Ing. in zwei Fachrichtungen des Maschinenbaues und Fachschulpädagogik.)
In 23-jähriger Tätigkeit als Lehrer an der hiesigen Ingenieurschule für Lederverarbeitungstechnik unterrichtete ich in verschiedenen technischen Lehrgebieten, so auch technische Mechanik incl. Statik.
Ich habe nach der Wende ein Familienunternehmen mit aufgebaut und dabei einiges für die allgemeine Stadtentwicklung getan und tue das noch.

Mit heute 65 Jahren erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass ich nach diesen persönlichen Erfahrungen und aus 14 Jahren Stadtrat mein Mandat mit ausreichend Sachverstand und Lebenserfahrung wahrnehme. Wer das als überheblich empfindet, mich als Oberlehrer, Kapitalist, oder Miesmacher abtun will, sollte ausschalten.

Um im Bild zu bleiben:
Unser Schiff hat einen Kapitän ohne Patent. Das ist eigentlich unzulässig, aber es fährt unter der Billigflagge einer Bananenrepublik. Da ist vieles möglich. Er hat die Brücke mit seines gleichen besetzt. Im Flottenverband wurde es inzwischen von allen überholt. Zertifikate wurden aberkannt. Es gibt keinen klaren Kurs und kein klares Ziel. Die Besatzung ist demotiviert. Die Ratten haben sich in der Bilge verkrochen und die Mutigen machen sich Gedanken über die Rettung des Schiffes. In den Kesseln da fault das Wasser und täglich geht mehr als einer über Bord. Der Schiffskörper verkommt, verliert seine wichtigsten Konturen und Strukturen. Die aufgesetzten Prachtkabinen sitzen auf einem maroden Grundkörper, sind von Parasiten besetzt und haben die Gesamtkonstruktion kopflastig gemacht. Das Schiff droht zu kentern. Es braucht einen neuen Kapitän. Der muss es zunächst in die Werft führen. Dort muss es von Grund auf saniert werden. Die Kommandostrukturen müssen völlig neu aufgebaut werden. Für eine gute Navigation sind die besten Seekarten erforderlich und gut ausgebildete Navigatoren, die damit umgehen können. Dann kann das Schiff wieder Fahrt aufnehmen. Mit klarem Kurs, mit klarem Ziel und mit großer Fahrt.


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